Warum der Zuschauer von Citizen Kane ein essenzieller Teil des Films ist, 8. September 2009
Verfasser:
Perception_de_Ambiguity aus The Divided States of Earth
*** Dieser Kommentar kann Spielverderber enthalten ***
Bekanntermaßen stirbt der Titelcharakter Charles Foster Kane am Anfang
des Filmes in seinem Bett, und stammelt dabei "Rosebod" während er eine
Schneekugel zu Boden fallen lässt, ohne dass man dabei eine andere
Person mit ihm im Raum sehen würde. Und trotzdem basiert der ganze Film
auf der Prämisse dass "Rosebud" Kanes letztes Wort war und ein Reporter
die Bedeutung dieses Wortes herauszufinden versucht, indem er Kanes
Wegbegleiter interviewt. Also wie könnte er das tun wenn niemand das
Wort gehört hat? Nahe dem Ende des Filmes erfahren wir vom Butler dass
er im Raum war als Kane starb. Wir haben ihn nie im Schlafzimmer
gesehen, allerdings hat uns die Kamera auch nie die Sicht auf den
ganzen Raum freigegeben, also ist es durchaus möglich. Aber warum wurde
er uns eigentlich nicht im Raum mit dem sterbenden Kane gezeigt?
Angesichts der Tatsache wie gut durchdacht und bedeutungsschwanger jede
einzelne Szene des Filmes ist darf man getrost annehmen dass das alles
einen Zweck hat und es dafür einen guten Grund gibt
Die Erzählweise von 'Citizen Kane' ist hauptsächlich subjektiv, da das
von Charles Foster Kane Gesehene auf den Erzählungen und Meinungen der
interviewten Wegbegleiter basiert. Abhängig davon wer über Kane
berichtet war er jedes mal eine etwas andere Person. Sozusagen eine
Hauptaussage des Filmes ist dass es kein wahrhaftiges und vollständiges
Bild einer Person gibt, sondern nur viele fragmentierte Bilder von
denen keines entweder falsch oder richtig ist.
In der Anfangsszene sehen wir ein Schild mit der Aufschrift "No
Trespassing" (Betreten Verboten). Das macht uns in gewisser Weise zu
Eindringling in Xanadu und im Leben Kanes. Die Kamera wandert durch den
Garten, um das Schloss herum und durch ein Fenster schließlich in das
innere des Schlosses. So werden wir am Anfang praktisch zu einem der
subjektiven Zeugen in Kanes Leben, die im Laufe ihres Lebens versucht
haben sich ein vollständiges Bild von dem Mann zu machen, und die sich
letztendlich ein Urteil über ihn gebildet haben. Und um den Zuschauer
zu inkludieren in die Runde der unzuverlässigen Zeugen, sowie um das
Konzept des Filmes zu manifestieren dass wir in der selben Position
sind wie all die Charaktere die IHRE Version von der Geschichte von
Kanes Leben haben, ist der Zuschauuer diesmal (zumindest vorübergehend)
offensichtlich der einzige Zeuge im ersten Akt von 'Citizen Kane' und
dem letzten Kapitel von Kanes Leben. Genau dieses Ereignis ist was den
Stein ins rollen bringt. Es macht uns zu Zeugen und nun kann die
Erforschung von Kanes Vergangenheit beginnen.
Wenn man an den Reporter denkt der sich von den Leuten die Geschichten
über Kane erzählen lässt, sehen wir ihn hauptsächlich von hinten, die
Kamera über seine Schulter spähend. Entweder das oder er die klare
Sicht auf sein Gesicht ist verschleiert durch Schatten, seinen Hut und
seine (beobachtende) Brille. Oft ist er auch auch einfach off-screen
und wir sind scheinbar die einzigen Zuhörer der interviewten. Der arme
Kerl ist praktisch gesichtslos. Man könnte sagen der Interviewer, der
als Charakter nie ausgearbeitet wird und ein unbeschriebenes Blatt
bleibt, die Position des Zuschauers einnimmt, welcher Zeuge wurde von
Kanes letztem Wort und jetzt wissen will was es damit auf sich hat.
Man könnte es als Insiderwitz von Orson Welles ansehen, dass die
Prämisse auf der der Film aufbaut zuerst wie ein Goof (Filmfehler)
wirkt. Er wartet bis zum allerletzten Interview damit aufzudecken dass
der Butler mit im Raum war um Zeuge des geheimnisvollen letzten Wortes
zu werden, da wo uns der Film nicht mehr als Zeugen braucht. Wir sind
fertig damit Zeugen zu sein, wo wir uns doch bereits unser eigenes Bild
von Charles Foster Kane gemacht haben, basierend auf alledem was wir im
Film erfahren haben. Vielleicht wird ja bald ein anderer Zuschauer die
Grenzen von Xanadu überschreiten und sich wundern wer dieser Mann war.
Und dieses mal wird er zu uns kommen um uns zu fragen wer Charles
Foster Kane war und wir werden ihm gerne alles erzählen.
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Warum der Zuschauer von Citizen Kane ein essenzieller Teil des Films ist, 8. September 2009

Verfasser: Perception_de_Ambiguity aus The Divided States of Earth
*** Dieser Kommentar kann Spielverderber enthalten ***
Bekanntermaßen stirbt der Titelcharakter Charles Foster Kane am Anfang des Filmes in seinem Bett, und stammelt dabei "Rosebod" während er eine Schneekugel zu Boden fallen lässt, ohne dass man dabei eine andere Person mit ihm im Raum sehen würde. Und trotzdem basiert der ganze Film auf der Prämisse dass "Rosebud" Kanes letztes Wort war und ein Reporter die Bedeutung dieses Wortes herauszufinden versucht, indem er Kanes Wegbegleiter interviewt. Also wie könnte er das tun wenn niemand das Wort gehört hat? Nahe dem Ende des Filmes erfahren wir vom Butler dass er im Raum war als Kane starb. Wir haben ihn nie im Schlafzimmer gesehen, allerdings hat uns die Kamera auch nie die Sicht auf den ganzen Raum freigegeben, also ist es durchaus möglich. Aber warum wurde er uns eigentlich nicht im Raum mit dem sterbenden Kane gezeigt? Angesichts der Tatsache wie gut durchdacht und bedeutungsschwanger jede einzelne Szene des Filmes ist darf man getrost annehmen dass das alles einen Zweck hat und es dafür einen guten Grund gibt
Die Erzählweise von 'Citizen Kane' ist hauptsächlich subjektiv, da das von Charles Foster Kane Gesehene auf den Erzählungen und Meinungen der interviewten Wegbegleiter basiert. Abhängig davon wer über Kane berichtet war er jedes mal eine etwas andere Person. Sozusagen eine Hauptaussage des Filmes ist dass es kein wahrhaftiges und vollständiges Bild einer Person gibt, sondern nur viele fragmentierte Bilder von denen keines entweder falsch oder richtig ist.
In der Anfangsszene sehen wir ein Schild mit der Aufschrift "No Trespassing" (Betreten Verboten). Das macht uns in gewisser Weise zu Eindringling in Xanadu und im Leben Kanes. Die Kamera wandert durch den Garten, um das Schloss herum und durch ein Fenster schließlich in das innere des Schlosses. So werden wir am Anfang praktisch zu einem der subjektiven Zeugen in Kanes Leben, die im Laufe ihres Lebens versucht haben sich ein vollständiges Bild von dem Mann zu machen, und die sich letztendlich ein Urteil über ihn gebildet haben. Und um den Zuschauer zu inkludieren in die Runde der unzuverlässigen Zeugen, sowie um das Konzept des Filmes zu manifestieren dass wir in der selben Position sind wie all die Charaktere die IHRE Version von der Geschichte von Kanes Leben haben, ist der Zuschauuer diesmal (zumindest vorübergehend) offensichtlich der einzige Zeuge im ersten Akt von 'Citizen Kane' und dem letzten Kapitel von Kanes Leben. Genau dieses Ereignis ist was den Stein ins rollen bringt. Es macht uns zu Zeugen und nun kann die Erforschung von Kanes Vergangenheit beginnen.
Wenn man an den Reporter denkt der sich von den Leuten die Geschichten über Kane erzählen lässt, sehen wir ihn hauptsächlich von hinten, die Kamera über seine Schulter spähend. Entweder das oder er die klare Sicht auf sein Gesicht ist verschleiert durch Schatten, seinen Hut und seine (beobachtende) Brille. Oft ist er auch auch einfach off-screen und wir sind scheinbar die einzigen Zuhörer der interviewten. Der arme Kerl ist praktisch gesichtslos. Man könnte sagen der Interviewer, der als Charakter nie ausgearbeitet wird und ein unbeschriebenes Blatt bleibt, die Position des Zuschauers einnimmt, welcher Zeuge wurde von Kanes letztem Wort und jetzt wissen will was es damit auf sich hat.
Man könnte es als Insiderwitz von Orson Welles ansehen, dass die Prämisse auf der der Film aufbaut zuerst wie ein Goof (Filmfehler) wirkt. Er wartet bis zum allerletzten Interview damit aufzudecken dass der Butler mit im Raum war um Zeuge des geheimnisvollen letzten Wortes zu werden, da wo uns der Film nicht mehr als Zeugen braucht. Wir sind fertig damit Zeugen zu sein, wo wir uns doch bereits unser eigenes Bild von Charles Foster Kane gemacht haben, basierend auf alledem was wir im Film erfahren haben. Vielleicht wird ja bald ein anderer Zuschauer die Grenzen von Xanadu überschreiten und sich wundern wer dieser Mann war. Und dieses mal wird er zu uns kommen um uns zu fragen wer Charles Foster Kane war und wir werden ihm gerne alles erzählen.
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