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Regisseur:
Drehbuchautor:
Feo Aladag (Drehbuch)
Premierendatum:
11. März 2010 (Deutschland) Mehr ansehen »
NewsDesk:
(17 Artikel)
Die Fremde - Intensives Kino mit Sibel Kekilli
 (von Moviepilot.de. 27. August 2010, 11:39 PM, PDT)

Sibel Kekilli auf Spurensuche am Kieler Tatort
 (von Moviepilot.de. 6. August 2010, 12:34 AM, PDT)

„Die Fremde“ unter den letzten Drei für Lux-Filmpreis
 (von filmecho. 27. Juli 2010, 2:22 AM, PDT)

Nutzerkommentare:
Ergreifendes Drama, etwas sperrig gefilmt Mehr ansehen (1 insgesamt) »

Diskussionsforen

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Besetzung

  (Auswahl der im Abspann genannten Besetzung)

Sibel Kekilli ... Umay
Nizam Schiller ... Cem
Derya Alabora ... Halyme
Settar Tanriogen ... Kader
Serhad Can ... Acar
Almila Bagriacik ... Rana
Tamer Yigit ... Mehmet
Alwara Höfels ... Atife

Florian Lukas ... Stipe
Blanca Apilanez Fernandez ... Carmen
Mustafa Jouni ... Mete
übrige Besetzung in alphabetischer Reihenfolge:
Aram Arami
Ufuk Bayraktar ... Kemal

Orhan Güner ... Turgay
Edin Hasanovic
Nursel Köse ... Gül
Seckin Orhan
Marlon Pulat ... Duran
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Weitere Details

Auch bekannt als:
Länge:
Deutschland:119 Min
Land:
Deutschland
Sprache:
Deutsch | Türkische
Farbe:
Farbe

1 von 1 Nutzern fanden den folgenden Kommentar hilfreich.
Ergreifendes Drama, etwas sperrig gefilmt, 20. März 2010
Verfasser: tgas aus Deutschland

*** Dieser Kommentar kann Spielverderber enthalten ***

Vorbemerkung: Mein Spoiler ist sehr, sehr indirekt, ich habe das Kästchen eher aus Sicherheitsgründen angekreuzt.

Der vorliegende Film ist etwas schwierig zu rezensieren, da er nicht nur eine wichtige, sondern auch eine ergreifende und gerade gegen Ende hochdramatische, aufwühlende Geschichte erzählt. Gleichzeitig hätte man sich gewünscht, das Ganze wäre ein bißchen straffer und ästhetisch weniger verkrampft erzählt worden. Doch gerade in der Schlussphase hat man seine Vorbehalte vergessen und kann sich der emotionalen Wucht nicht mehr entziehen. Es geht um die Türkin Umay, eine fünfunszwanzigjährige Mutter eines geschätzt 4-5-jährigen Kindes, die den prügelnden Ehemann und Vater Kemal verlassen hat und bei ihren Eltern und Geschwistern in Berlin unterkommt. Doch auch diese sehen die "Familienehre" in den Schmutz gezogen und wollen teilweise Kemal helfen, "seinen" Sohn zurückzubekommen...

Eine tragische Geschichte, die man zwar in den Grundzügen hinlänglich aus Zeitungen kennt, die aber darum nicht minder wert ist, einmal in einem Spielfilm erzählt zu werden. Dem Film ist hoch anzurechnen, dass er nicht "aufgeklärte" Deutsche auf "rückständige" Türken mit dem Finger zeigen lässt - vielmehr sind hier die Türken unter sich mit ihren höchst heterogenen Ansichten. Und auch die "Bösen" sind nicht ausnahmslos böse, sondern zerrissene Seelen, der Film hält da sehr gut die Waage zwischen Verurteilung und Verständnis; er übertreibt insgesamt weder das eine noch das andere. Hinzuzufügen ist, dass die Nebenrollen höchst verschieden und interessant charakterisiert ist. Dass die Brüder Umays hoffnungslose Gefangene eines archaischen Macho-Kodex' sind, entschuldigt sie kein Bißchen, zeigt aber die Schwierigkeiten, diesen Teufelskreis aufzubrechen. Am interessantesten und für mich unterm Strich unsympathischsten gelingt dem Film die Darstellung Umays jüngeren Bruders - ein scheinbar gutherziger Teenager, der stärker zu seiner Schwester hält als der brutale ältere Bruder, aber im Grunde wird klar, dass dieser Mann ein Weichei ist und nur solange der äußerlich Gute sein wird, wie er noch klein und schwach ist. Am Ende können wir rätseln, ob eine Nicht-Tat dieses jungen Mannes eher Menschlichkeit oder Feigheit ist - ich behaupte Letzteres, da er anschließend auch dann passiv bleibt, wo es Umay schadet.

Soweit ein hervorragender Film, Sibel Kekilli hat ein ausdrucksstarkes Kinogesicht, und der Kinderdarsteller ebenfalls - ihm wird viel an Ausdruckskraft abverlangt bei der Darstellung einer unschuldigen Seele, die zwischen den Fronten aufgerieben zu werden droht. Ein wenig zäh ist mir die Anfangsphase, wie überhaupt dieser Film gelegentlich den (aus meiner Sicht) Fehler begeht, genauso spröde, quälend und sperrig zu sein wie sein Gegenstand. Die ca. erste halbe Stunde besteht ausschließlich aus intimen Begebenheiten, die mich mehr oder minder kalt gelassen haben, auch erstaunlicherweise die kurzen Gewaltszenen: Man weiß im Kino schon das Grundthema, wenn man sich zum Besuch entschließt, die Anfangsphase zeigt genau das Erwartete, spannungsarm, gedehnt und mit dieser unglaublich spröden Musik aus Geige, Cello und Klavier. Schade, denn das entwertet das große Thema ein bißchen. Es geht zunächst nur um einen Zustand, nicht um eine Handlung. Die entwickelt sich erst, als Umay von Polizisten in ein Frauenhaus eskortiert wird. Der Film wird zunehmend interessanter, vielleicht gerade, weil Umays Tragödie ist, dass sie trotz allem an ihrer Familie immer noch hängt. Hier ist nichts schwarz oder weiß.

Ganz offen frage ich mich aber immer wieder, ob es einem Gefühl von "Realismus" förderlich ist, wenn man so etwas mit Handkamera filmt, auf jegliche Tiefenschärfe verzichtet und dadurch oft Focuswechsel braucht oder öfter auch einmal das ganze Bild leicht unscharf ist. Bei den Kadrierungen hatte ich ebenfalls den Eindruck, da schieben sich die Dinge vor die Linse, wie sie da gerade standen, und nicht, wie das Drama es verlangt hätte. Ein bißchen amateurhaft sieht das alles aus, ungelenk, und die Entscheidung für Cinemascope war vielleicht falsch weil die Kamera das riesige Bild gelegentlich nicht füllen kann und dann halt Mauern, Leere oder was auch immer auf der einen oder anderen Seite zu sehen ist. Wohl gemerkt, ich maße mir nicht an, zu sagen, der Kameramann könne es nicht. Er wird es genau so gewollt haben, aber das menschliche Auge sieht nun einmal anders als eine Kamera, und eine gewollt beiläufige Filmästhetik wirkt nicht realistisch, sondern ungelenk. So haben wir ein etwas zähes Drama vorliegen, das aber viele starke Seiten hat und gegen Ende unglaublich gewinnt. Dafür sieben Punkte.

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