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Das Leben ist zu lang (2010)
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Nutzer-Bewertung:
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Regisseur:
Drehbuchautor:
Premierendatum:
26. August 2010 (Deutschland)
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Genre:
Komödie | Drama
Handlung:
Nutzerkommentare:
Wie viel Dani Levy steckt in Woody Allen?
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Diskussionsforen
Plaudern Sie über diesen Film mit anderen Nutzern im IMDb Diskussionsforum für Das Leben ist zu lang (2010)Besetzung
(Auswahl der im Abspann genannten Besetzung)| Markus Hering | ... | Alfi Seliger | |
| Meret Becker | ... | Helena Seliger | |
| Veronica Ferres | ... | Natasha | |
| Hannah Levy | ... | Romy Seliger | |
| David Schlichter | ... | Alain Seliger | |
| Yvonne Catterfeld | ... | Caro Will | |
| Gottfried John | ... | Georg Maria Stahl | |
| Hans Hollmann | ... | Holger Miesbach-Boronowski | |
| Justus von Dohnányi | ... | Johannes | |
| Heino Ferch | ... | Professor Mohr | |
| Elke Sommer | ... | Alfis Mutter | |
| Udo Kier | ... | Tabatabai | |
| Kurt Krömer | ... | Anlageberater | |
| Steffen Groth | ... | Bernard / Leonard von Kitzbühl | |
| übrige Besetzung in alphabetischer Reihenfolge: | |||
| Emilio De Marchi | |||
| Michael Herbig | |||
| Matthias Koeberlin | |||
| Tom Schilling | ... | Karoline's Begleiter | |
| Raphaël Vogt | ... | Gast | |
Weitere Details
Länge:
Deutschland:86 Min
Land:
Deutschland
Sprache:
Deutsch
Farbe:
Farbe
Seitenverhältnis:
2,35 : 1 Mehr ansehen »
Tonverfahren:
Dolby Digital
Altersfreigabe:
Deutschland:12 (f)
Drehorte:
Berlin, DeutschlandMehr ansehen »
Firma:
Unterhaltsames
Bezüge zu anderen Titeln:
Ausschnittsweise enthalten in "Willkommen Österreich: Episode #1.115" (2010)Mehr ansehen »
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Unternehmen.
So fragte Levy scherzhaft auf eine Frage im Kinogespräch. Dazu später. Was ist Das Leben ist zu lang" für ein Film? Nicht der saukomische Streifen, als den ihn der Trailer präsentiert! Es geht um einen depressiven Menschen, der in jedes Fettnäpfchen tritt und von einem Unglück ins andere schliddert. Dieser Mann namens Alfi Seliger ist Filmregisseur, er möchte eine Komödie über den Mohammed-Karikaturenstreit drehen, was seine latente Suizidgefährdung unterstreicht. Wer sowas macht, muss gute Bodyguards haben oder nicht besonders am Leben hängen! Dieser Mann wird von seinen Kindern für peinlich gehalten, geht schleimigen Produzenten auf den Leim, wird von Bully, den er als Star haben will, links liegengelassen (Bully als er selbst, wie überhaupt die deutsche Crème de la Crème in Cameos oder kleineren Rollen dabei ist). Seine Frau hat ein Verhältnis. Also, was sollte da noch schiefgehen? Einiges! Von einem ominösen Guru bekommt der Mann ein Wahrheitsserum, mit dem er bei verschiedenen Leuten erkundet, wie die wirklich über ihn denken. Doch sein Suizid scheitert daran, dass ein Netzloch verhindert, dass er seine Abschiedsmail abschicken kann...
Dann kommt ihm irgendwann die Erkenntnis, dass nicht er der Schöpfer ist, der einen Film schaffen will, sondern dass er das Geschöpf eines Filmes ist, und hiergegen möchte er sich auflehnen. Recht amüsant und skurril spielt der Film die ganze Zeit über schon latent unterschwellig darauf an, dass er nur ein Film ist (gelegentlich sprechen Schriftzüge direkt zum Zuschauer und animieren uns zu Beginn sogar dazu, den Film interaktiv aufzunehmen). Beispielsweise sind viele Markennamen oder Filmplakate, die nur im Hintergrund zu sehen sind, Verfälschungen der Originale (ein Junge liest "Patty Hotter" genau im Harry-Potter-Schriftzug, "Google" heißt "Beagle" im Google-Look, etc.). Ein Arzt, der von Heino Ferch gespielt wird, wird von Alfi auf seine Ähnlichkeit mit Heino Ferch angesprochen. Und irgendwann reicht es Alfi. Er weiß, dass er in einem Film ist und rebelliert. Er geht sogar hinter die Kulissen und staucht den Regisseur Dani Levy (als er selbst) zusammen, und er schickt diverse ungeschriebene Film-Gesetze auf den Strich: Um einer Gesellschaft zu beweisen, dass sie auch nur Teil eines Films ist, sagt Alfi den Leuten, sie mögen eine Mahlzeit so langweilig wie möglich einnehmen, weil dann bestimmt sofort ein Schnitt käme. Der kommt dann zwar auch prompt, aber alle außer Alfi scheint das nicht im Geringsten zu stören, wie das halt bei Filmfiguren von des Regisseurs Gnaden ist. Ein anderes Mal versucht er einen Schnitt durch einen Zungenkuss mit seiner eigenen Mutter (ach nee, aus seiner Perspektive ist das ja "nur" die Schauspielerin Elke Sommer) zu erzwingen. Auch ahnt er, dass ihm ein Suizid nicht gelingen wird, und er lässt sich mit Gipsbein in einen Pool fallen, um natürlich drehbuchgerecht gerettet zu werden. Zwar ist dem Film sein rebellischer Hauptdarsteller irgendwann nicht mehr recht, so dass der Film Alfi durch die anderen Schauspieler auszuschalten versucht. Er braucht nämlich seinen Hauptdarsteller so, wie der Künstler (der Regisseur) ihn sich erdacht hat. Ein Mal wird der Regisseur gar zum Heiligen (v)erklärt. Wenn Alfi für sein Lebenswerk geehrt wird und die Dankesrede hält, wirkt das Scheinwerferlicht auf seiner Wuselfrisur wie ein Heiligenschein. Doch ganz ernstnehmen dürfen wir das nicht, da Alfi lieber ein unheiliger selbstbestimmter Mann als ein Heiliger von Levys Gnaden ist. "Die Gedanken sind frei", sagt Alfi einmal. Levy kann Alfi zwar Szenen schneiden und ihn dirigieren, aber den Voice-Over, den kann er ihm nicht nehmen. Worte, die nicht gesprochen werden von einer handelnden Person, sondern lediglich Gedanken sind, sind eben doch frei. So wird es am Ende zu einer stark an Brian DePalmas "Femme Fatale" erinnernden Entscheidung kommen.
Dies ist eine höchst interessante, komplexe, anspielungs- und gedankenreiche Reflexion anhand eines Film-im-Film-Themas. Wer ist Geschöpf, wer Schöpfer, wie ist das Wechselspiel von Kunst und Leben? Ungemein stört jedoch, dass der Film mit Ausnahme der düsteren, etwas wirren und angenehm gewagten letzten zehn Minuten oft auf bekannte Vorbilder zurückgreift. Neben dem erwähnten DePalma-Film ist dies vor allem Woody Allen, und zwar zuviel Woody Allen. Das geht bis zur Namensgebung: Alfi Seliger heißt die Hauptfigur hier, Alvy Singer heißt sie in Allens "Stadtneurotiker". Sogar eine Allen-ähnliche Brille trägt Markus Hering in der Rolle des Alfi. Levy hat dieses Vorbild (und ein paar andere) in Interview und Kinogespräch nicht verheimlicht, aber er geht weit über eine Hommage hinaus, in der nur die Grundkonstellation ähnlich ist. Das wäre hier der einst erfolgsverwöhnte Regisseur aus Allens "Stardust Memories". Von dem hat Levy auch noch die Manie mit übernommen, dass der Regisseur andauernd auf frühere noch wirklich lustige" Erfolgsfilme angesprochen wird (bzw. ist es bei Levy nur ein einziger fiktiver Film). Ferner hat Allen solch einen Regisseur in dem hierzulande leider untergegangenen "Hollywood Ending" porträtiert, und in vielen Allen-Filmen kommen ominöse Gurus und Zauberer mit Wundermitteln vor (hier hat mich Levys Film vor allem an "Alice" erinnert, auch wenn es dort keine Wahrheitspillen, sondern Liebeskräuter waren). Dass Kunst und Leben durcheinandergeraten, findet sich nicht nur in "Der Stadtneurotiker", wo Allen direkt zum Publikum spricht, und in der Auflösung von Stardust Memories", sondern auch in "The Purple Rose of Cairo" und in "Harry außer sich", in dem der im Leben Gescheiterte nur durch die Kunst Rettung erlangt und zu diesem Zweck seine Kunstfiguren ins wirkliche Leben herüberholt. Dieser Film ist wiederum einer Ingmar-Bergman-Tragödie (Wilde Erdbeeren") verhaftet, und Alfi meint einmal, sein Leben sei ein Bergman-Film. Außerdem scheinen mir Levys Jump Cuts im Moment besonders großer Zerrissenheit Alfis von "Harry außer sich" inspiriert zu sein. Das alles wird Levy bekannt sein, aber weniger wäre mehr gewesen. Zumal Levy zwar eine ähnlich komplexe Reflexion wie Allen kann, aber nicht dessen herrlich verdrehten Witz hat. Nun spricht es eher für den Film, dass Levy / Hering nicht auch noch versuchen, dies aufs Kleinste zu imitieren, aber der Film ist dadurch als Komödie (die er trotz allem erkennbar sein will) nur manchmal überzeugend.
Fazit: Nicht alle Gags zünden, die Anklänge an Woody Allen sind zu massiv, aber die ernstere Seite ist sehr gelungen. Dafür sieben von zehn Punkten.